Wie wir uns selbst entwickeln

02.02.2017

Der Fasching erlebt in diesen Tagen seinen Höhepunkt. Eine Zeit, in der man sich verkleiden darf, eine andere Rolle für sich wählen darf. Da werden der Geschäftsführer zum heldenhaften Batman, die Sekretärin zur eigensinnigen Hexe und der Controller zum wilden Cowboy. Ja, bei all den Regeln und Konventionen in unserer Gesellschaft, kann es gut tun, einmal jemand anderes zu verkörpern.

Das Leben - ein Theaterstück?

Vermutlich ist es den meisten gar nicht bewusst, doch wir schlüpfen tagtäglich in verschiedene Rollen - nicht nur im Fasching. Da sind wir der loyale Mitarbeiter, der engagierte Unternehmer, dort die fürsorglichen Eltern, zuverlässiger Partner, verständnisvoller Freund, usw.

Wir wechseln im Alltag wie selbstverständlich unsere Rollen und wenn Sie nun den Eindruck haben, dass das Leben ein Theater ist, dann halte ich es frei nach Shakespeare: "..., suchen Sie sich eine Rolle aus, die Ihnen so richtig Spaß macht!"

Eigentlich bin ich ganz anders

Verschiedene Rollen einzunehmen ist also ganz normal und an sich nichts Schlechtes. Das Entscheidende ist, dass wir dabei authentisch, also uns selbst treu bleiben. Kontraproduktiv hingegen ist es, sich eine Maske aufzusetzen, in der Annahme damit anderen zu gefallen. Ein sich dauerndes Anpassen und damit verbundenes Verstellen der eigenen Persönlichkeit wirkt weder echt noch vertrauensvoll.

Authentizität versus Inszenierung

Die Sozialpsychologen Brian Goldman und Michael Kernis nennen vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit wir uns als authentisch denkend und handelnd erleben:

  • Bewusstsein: Wir müssen unsere Stärken und Schwächen sowie unsere Gefühle und Motive kennen.
  • Ehrlichkeit: Wer sich "echt" fühlen will, muss der Realität ins Auge blicken und auch unangenehmes Feedback akzeptieren.
  • Konsequenz: Wir sollten nach unseren Werten handeln und unseren Prioritäten treu bleiben. Kaum etwas wirkt zerstörerischer auf unseren Selbstwert als ständige Anpassung.
  • Aufrichtigkeit: Authentizität zu leben, bedeutet die Größe zu haben, zu den eigenen Stärken UND Schwächen zu stehen.

Erst die Selbstreflektion ermöglicht es also, unser Verhalten bewusst wahrzunehmen und zu steuern. Nur wer sich über die Auswirkungen des eigenen Handelns und Nicht-Handelns im Klaren ist, kann bewusste Entscheidungen über die eigene Wirkung treffen.

Haben Sie den Mut, Sie selbst zu sein

Seien Sie sich bewusst: Es gibt nicht die EINE Art. Nehmen Sie die Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten wahr und probieren Sie aus, was zu Ihnen passt. Reflektieren Sie Ihre Persönlichkeit und hinterfragen Sie Ihre Rollen: Welche Facetten Ihrer Persönlichkeit wollen Sie zeigen? Wie wollen Sie von anderen wahrgenommen werden? Welche Werte möchten Sie transportieren?

Die übergeordnete Frage lautet: Wie stelle ich mich dar? Und nicht: Wie verstelle ich mich?

Das Wissen um die eigene Wirkung und die bewusste Entscheidung, wann Sie welche Facette Ihrer Persönlichkeit einsetzen, bedeutet sich selbst treu zu bleiben und die Stärken zur Wirkung zu bringen, über die Sie bereits verfügen!